Wie habe ich mich auf dieses Wochenende gefreut.
Alles in Allem kann ich sagen, dass es dann nicht ganz so toll war, was aber nicht am Festival lag.
Am Freitag ging es gegen halb vier los, zwei Autos/ fünf Leute. Wir mussten erst einmal zwei Getränkemärkte ansteuern, bevor wir das Bier unserer Wahl einkaufen konnten und das eigentliche Ziel, Versmold/ Peckeloh ins Visier nehmen konnten. Nach einer kleinen Irrfahrt durch Bielefeld auf Grund einer Baustelle ging es dann zielstrebig weiter und wir lagen voll in Zeit. Natürlich hielt es keiner von uns Ballonköpfen für nötig sich die Adresse zu merken aber zum Glück ist Peckeloh ein winziges Dorf und wer sucht, der findet auch. Nach einer viertel Stunde sind wir dann auch endlich angekommen und haben leider „Ding Dong Dead“ verpasst. Aber was soll’s?! Also erstmal eingecheckt, und das Gelände sondiert. Man stelle sich ein ländliches, geradezu bäuerliches Gasthaus mit Saal vor. Draußen ein Hof mit Bierbänken und der heranführende Feldweg, plus die angrenzende Wiese, dienten als Parkfläche. Das Zeltgelände bestand aus einem c.a. fünf Meter breiten Streifen Grün, der sich ein Stück weit hinter dem Haus entlang streckte, man kann sich also vorstellen, dass der Platz dort sehr begrenzt war. Alles eben sehr familiär gehalten.
Da wir „Ding Dong Dead“ ja sowieso verpasst hatten, bot sich mir das nächste Highlight erst um 19:40 mit „Mr. Willis Of Ohio“ und ich hatte erstmal Zeit ein paar Bier zu trinken, was auch gut so war, denn ich musste langsam den Anschluss an die anderen finden, die schon auf der Hinfahrt getrunken hatten. „Mr. Willis of Ohio“ haben mich nicht enttäuscht und richtig Gas gegeben, so muss das sein.
Mein zweites Highlight am Freitag waren „Who Calls So Loud“, die ich ja bereits schon vor einigen Wochen im AJZ Bielefeld bestaunen durfte, aber ich muss sagen, dass sie mir dieses Wochenende noch um einiges besser gefallen haben!
Der Rest des Abends bestand dann nur noch aus essen und Bier trinken und ich beging einen schwerwiegenden Fehler…
Es war doch sehr frisch in dieser Nacht und ich war nur mit einer kurzen Hose und einem T-Shirt bekleidet und trotz das ich wirklich gefroren habe, war ich einfach zu faul um zu meinem Zelt zu gehen und mir etwas Wärmeres anzuziehen. Als ich mich dann endlich überwunden hatte, war es wahrscheinlich schon zu spät um das Schlimmste vermeiden zu können.
Am nächsten Morgen ging es mir schon gar nicht mehr so gut. Der Hals kratzte, die Nase lief und der Kopf brummte nicht nur vom Alkohol. Aber nach einer Katzenwäsche, einem ausgiebigen Frühstück und einem „Atme dich frei“ –Tee, ging es mir schon wieder besser und ich fühlte mich fit um auf die härteren Getränke umzusteigen, ausserdem hatte die Uhr schon dreizehn geschlagen.
Um uns die Zeit zu vertreiben, machten wir einen Spaziergang zum nächsten Zigarettenautomaten und erkundeten somit gleich das Dorf. Bis auf einen schönen Teich mit einem darin schwimmenden Bierfass gab es aber nichts Interessantes zu sehen. Wieder zurück auf dem Festivalgelände musste ich noch eine gute Stunde die Zeit totschlagen und dann war es endlich so weit. Kontrapunkt! Wenn ich die top zehn Bands aufstellen müsste, die mich in meinem Leben bisher richtig weg geflasht haben, dann landen Kontrapunkt mit unter den ersten fünf. Und es war dieses Mal noch um einiges besser als vergangene Konzerte. Man muss dazu sagen, dass es das Abschiedskonzert war und dem entsprechen der Enthusiasmus der Band und auch des Publikums gigantisch war. Ich hätte gerne mehr Fotos gemacht, denn die einzigen beiden, die ich während des Konzerts gemacht habe sind unkenntlich verschwommen, aber ich war einfach viel zu beschäftigt damit mir die Seele aus dem Leib zu schreien und meine Arme in die Luft zu strecken und mir die Handballen wund zu klatschen. Mehr brauch ich wohl gar nicht zu schreiben. Gigantisch!
Und vielleicht war es genau dieses gigantische Konzert, was meinem grade so gesunden Organismus den Rest gegeben hat. Ich wurde schlagartig müde und schob es erst auf die kurze Nacht, dann wurde der Schnupfen aber immer heftiger, ich immer schwächer und die Kopfschmerzen immer größer. Dazu kam noch, dass es unendlich heiss war und weit und breit kein Schatten zu finden war. Der Sonnenbrand war also vorprogrammiert und ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich versuchte wirklich alles um nicht zu stark abzusacken, Wasser, ausspannen, Tee, Brühe, Essen…
Nichts half und mir blieb nur noch übrig mich zu ergeben. Allerdings war ich nicht der einzige, der sich den Rest des Tages abschminken konnte. Aron erlitt einen Hitzeschlag und musste sich noch bevor es dunkel war mit einem Brummschädel schlafen legen.
Mich hat es dann in der Dämmerung, mit der Bitte mich pünktlich zu „Comadre“ aufzuwecken auch ins Auto verschlagen. Nach c.a. eineinhalb Stunden Schlaf ging es auch schon wieder, trotzdem blieb der Rest des Tages abgeschrieben. Als „Comadre“ anfingen zu spielen hab ich es nicht länger als vier Songs in diesem stickigen, irre heissen und zum brechen vollen Konzertsaal ausgehalten und musste raus gehen. Ich stand ohne hin schon ganz hinten so das ich gar nichts mehr von der band sehen konnte, wäre ich weiter nach vorne gegangen, wäre ich höchst wahrscheinlich sofort aus den Latschen gekippt.
Ab da war dann mein Tag zu ende und ich zog es vor zu schlafen.
Abschließend muss ich sagen, dass ich selten so eine schöne Atmosphäre erlebt habe. Es war ehr wie eine große Party bei jemandem zu Hause als ein Festival. Gut ein drittel der Gäste kamen aus dem Ausland, wie zum Beispiel England, Belgien oder Spanien, was allerdings auch kein Wunder ist, wenn man sich das internationale Lineup anschaut, für jeden, der nur entfernt auf Geschrei in Musik steht, hätte sich dieses Festival mehr als gelohnt. Und mal nebenbei, als wir ankamen, wurde uns an der Kasse gesagt, dass wir daran denken sollen, kein Fleisch zu essen und nicht so viel zu saufen, damit wir uns benehmen, anbei gab es dann noch einen kleinen Merkzettel. Wir kamen uns ganz schön blöd vor, denn komischerweise wurde niemand mit dem wir geredet haben auf diese Weise ermahnt, noch gab es diesen Zettel in die Hand. Aber es hat sich am Ende natürlich bestätigt, dass andere Leute diesen gut gemeinten Ratschlag der Veranstalter besser hätten gebrauchen können als wir. Die Besucher des Festivals waren beinahe durchgängig sympathisch und man hat sich gut aufgehoben gefühlt, aber es gibt ja immer ein paar schwarze Schafe. So wurde ich jeden Morgen mit dummen Sprüchen aus der untersten Schublade von unseren Zelt- Nachbarn geweckt, die sie sich gegenseitig an den Kopf geworfen haben und dabei was Lautstärke angeht auch um halb acht Uhr morgens keine Rücksicht auf noch schlafende Festivalbesucher genommen haben. Am Samstag bin ich dann noch an einer Gruppe vorbeigegangen, die trotz des veganen Leitfadens des Festivals nicht darauf verzichten wollten sich ein paar fette Stücke Fleisch zu grillen und das auch noch lautstark rumposaunt haben. Idiots rule.
Ich freu mich auf's nächste Mal und dann hoffentlich bei bester Gesundheit und mit Sonnenschirm.
Kleiner Ausschnitt von "Who Calls So Loud". Leider nicht das ganze Lied, weil mein Arm irgendwann müde wurde...
Es folgen noch ein paar Fotos in der nächsten Zeit.
Song des Tages: Kontrapunkt - Alles wird besser! Aus dem Good Bye Tape
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