Ich bin heute um 06:30 Uhr aufgestanden. Ein eigentlich ehr demotivierender Start in das neue Semester, aber mit der Routine kommt die Gleichgültigkeit.
Ich gehe also duschen, nehme ein ausgewogenes Frühstück bestehend aus abgepacktem Vollkornbrot, Aufstrich, Tofu und Kaffee zu mir, checke im Internet ob sich noch kurzfristig was in meinem Stundenplan geändert hat und habe ständig die Uhr im Auge, denn ich will meinen Bus nicht verpassen. Ich schaue aus dem Fenster um auszuchecken, welche Kleidung heute angebracht ist und stelle dabei fest, dass der verfluchte Winter Einzug hält! Diese Erkenntnis schlägt mir ins Gesicht, wie ein Rummelboxer den letzten besoffenen Proleten kurz vor Feierabend zu Boden gehen lässt, also nicht ganz so hart aber durchaus treffsicher. Kurz vor halb acht, ich stürze den zweiten Kaffee hinunter und ziehe mir dabei Verbrennungen dritten Grades an Speiseröhre und Magenwand zu, jetzt muss ich aber los! Der Bus ist voll und ich muss stehen, er fährt einen Umweg wegen einer Baustelle und braucht circa zehn Minuten länger als sonst. Alles kein Problem, ich eile ins Rechenzentrum, drucke noch schnell den Kursplan aus, den ich natürlich zu Hause vergessen habe und mache mich dann auf den Weg zu meiner ersten Veranstaltung. Ich komme rein, sondiere den Raum, suche Menschen die ich kenne und noch wichtiger –auch mag. Ich finde einen angemessenen Platz, lege meine Sachen ab, gehe noch mal auf den Lokus und komme pünktlich wieder in den Raum.
„Konstituierte Sitzung“ –„Was habe ich mir da wieder eingebrockt Sitzung“. Ich habe mir für dieses Semester vorgenommen die Sache etwas ernster zu nehmen und höre gespannt zu, was der Prof zu erzählen hat, es ist ganz spannend und ich mag den Kerl, also die besten Voraussetzungen für meinen Plan! Doch dann passiert es. Das Auslösen der Motivation für mich zu schreiben: Hass auf andere Menschen!
Sie ist mir schon letztes Semester aufgefallen, sie zeichnet sich dadurch aus, zu wirklich jeder Veranstaltung zu spät zu kommen. Nicht, dass es mich stört, wenn jemand zu spät kommt, das passiert so gut wie immer, aber dieses Mädchen schafft es wirklich jedes Mal sich dabei so ungeschickt aufzuführen, dass bei mir alles an zu kochen fängt und ich in meiner Fantasie rot anlaufe und einen vulkanausbruchartigen Anfall erleide. Mental shock. Sie ist nicht schwer zu beschreiben: Eine Mischung aus Esoterik-Hippie und übergewichtiger Squaw. Sie besitzt die Dreistigkeit eine beschissene halbe Stunde zu spät, unvermittelt und laut wie immer, reinzuplatzen und mich mit ihrer Anwesenheit zu belästigen, als lieber gleich zu Hause zu bleiben und zu überlegen, ob es nicht vielleicht mehr Sinn machen würde sich einfach aufzuhängen. Sie wackelt behangen mit Lumpen und Leinentaschen geradezu hypnotisch am Prof vorbei und pfeift dabei ein „’tschuldigung“ durch ihr Eselsgebiss, während irgendeine Abart von Lächeln ein Doppelkinn in ihr Fast-Foot-Face formt. Ich beruhige mich erst wieder, als sie sich mit einem Plumsen, wie ein nasser Sack auf einen Stuhl am Rand fallen lässt und ihre Daily Soap aus dem Mittelpunkt des Seminars verschwindet. Von diesem Zeitpunkt an ist es aus mit meiner Aufmerksamkeit und ich verbringe die letzten fünfundvierzig Minuten damit, mir Gemeinheiten auszudenken.
Damn.
Dienstag, 13. Oktober 2009
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