Dienstag, 6. Januar 2009

Freitag Saufen?

Diese Stadt ist ein leerer Ort mit Schnee gefüllt. Lebt durch Gedanken weiter und Sehnsuchtsschmerz. Im Angesicht der kalten Schauer auf dem Rücken wird dir warm ums Herz und kalt um die Ohren...

Es ist Freitag und zum Fahrradfahren viel zu kalt, aber es gibt ja Busse. Die fahren in dieser Stadt zwar nur bis zum Abend aber es ist ja gerade mal fünfzehn Uhr und bis zum Rückweg noch lange hin. Er hat also genügend Zeit sich bis dahin mit diversen Alkoholischen Getränken (eigentlich trinkt er meistens nur Bier) aufzuwärmen. Er ist Nichtraucher und hat deswegen fast nie Probleme mit seinem Taschengeld aus zukommen und da er sich sonst auch nicht viel gönnt, hat er kein schlechtes Gewissen dabei, sein Erspartes für billiges Bier auf den Kopf zu hauen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle wird noch mal schnell abgecheckt ob er auch alles dabei hat. Geld, Schlüssel, das Handy, was schon lange seine Uhr abgelöst hat und genug zum anziehen, es ist heute wirklich besonders kalt! Aber er ist ja noch jung und relativ resistent gegen Kälte, ihm reicht eine Jeans, ein T-Shirt, darüber ein Pullover mit noch einem T-Shirt darüber und einem Zipper, den man aber aus Stilgründen nicht unbedingt zu machen muss. Einen Schal braucht er nicht, weil er das albern findet und Mützen stehen ihm nicht, also einfach die schulterlangen Haare unter die Kapuze gesteckt und ab geht’s.

Der Bus braucht fünfundzwanzig Minuten von ihm bis zu der Haltestelle von der aus er zu dem Freund kommt, den er abholen will um mit ihm Bier zu kaufen. Dieser Freund ist ein Jahr älter als er und sie waren früher schon immer zusammen Bier kaufen da nur dieser Freund schon einen Personalausweis hatte. Nun hat er selber schon länger einen aber irgendwie haben sie sich angewöhnt noch immer zusammen einkaufen zu gehen obwohl es für jeden von ihnen kürzer und einfacher wäre das alleine zu tun. Als er ankommt, hat sein Freund schon Besuch von einem weiteren Freund. Sie sind alle drei sehr gute Freunde und bevor es los geht spielen sie noch eine Runde „Tony Hawk 1“ auf der Playstation – auch Modell eins. Er verliert jedes Spiel, da er selbst keine Playsstation hat und die anderen gut im Training sind. „Dafür fahr ich im echten Leben besser“ - denkt er sich und fordert die anderen beiden auf sich endlich mal fertig zu machen, damit sie wenigsten noch Hellen los gehen können. Es ist zwar sehr kalt aber dafür scheint auch seit langer Zeit mal wieder die Sonne und keine Wolke steht am Himmel. Freund drei hat sowieso gerade mal wieder klar gewonnen und so machen sich alle fertig. Er streift wieder den Zipper über und die anderen beiden ziehen sich Jacken an. Alle stopfen die schulterlangen Haare unter die Kapuzen und gehen raus. Bevor es los geht huscht Freund drei noch mal schnell rüber ins Gartenhaus um dort schon mal die Heizung einzuschalten.

Sie brauchen zwanzig Minuten bis zum Getränkemarkt in denen sie gut die Hälfte an Weg wieder zurück gegangen sind, die er auf dem Hinweg mit dem Bus gefahren ist. Das macht ihm aber nichts, denn er ist es ja gewohnt und inzwischen ist es auch schon halb fünf am Nachmittag, auf dem Rückweg zu Freund zwei werden sie wie üblich noch an der Imbissbude halt machen und bis sie wieder bei ihm vor der Tür stehen wird es sicher schon achtzehn Uhr und dunkel sein. Gezielt wird das Regal mit dem Dosenbier angesteuert und jeder nimmt sich ein paar Büchsen mit. Nächstes Jahr kommt das Dosenpfand, ab und zu trinken sie schon Mal Flaschenbier um dann besser darauf umsteigen zu können. Jeder bezahlt bar, sie stopfen sich die schulterlangen Haare unter die Kapuze und verlassen den Laden.

Sie brauchen zehn Minuten bis zu der griechischen Imbissbude, bei der sie wie geplant halt machen und sich jeder wie immer ein Mal Gyros-Pita und eine Portion Pommes bestellt. Am Ketchup wird gespart, den hat Freund drei auch zu Hause! Sie warten ungewohnt lange auf ihr Essen, freuen sich aber umso mehr, als es ihnen endlich über die Theke gereicht wird. Sie stopfen sich alle die schulterlangen Haare unter die Kapuze und verlassen den Laden.

Sie brauchen weitere zehn Minuten bis sie wieder bei Freund zwei vor der Haustür stehen. Sie haben zwar einige Bekannte getroffen und lange auf ihr Essen gewartet aber es ist trotzdem erst viertel nach fünf am Abend. Es ist zwar schon dunkel aber die anderen werden noch bis halb sieben auf sich warten lassen. Sie gehen rein, ziehen die oberste Schicht der Kleidungsstücke aus und machen sich über ihr Essen her. Sie haben Anstand und warten auf Freund zwei, der ganz schön damit zu tun hat seine zwei Gäste zu bewirtschaften. Gabel hier, Teller da und vergiss den Ketchup nicht!

Mittlerweile ist es viertel nach sechs und nach einem Skatevideo und einer weiteren Runde Playstation kann man so langsam rüber ins Gartenhaus gehen. Es wird darin jetzt schön warm sein und deswegen sparen sie es sich die letzte Kleidungsschicht wieder anzuziehen und auch die schulterlangen Haare werden dieses Mal nicht unter die Kapuze gestopft. Drüben angekommen werden die ersten Biere geöffnet und die Tage bis zu den nächsten Ferien abgezählt um die Zeit zu vertreiben. Es dauert nicht lange und es tauchen auch schon Freundin vier, Freundin fünf und Freund sechs auf. Sie sind nie viel mehr, aber vielleicht kommt ja später noch eine Nummer sieben vorbei. Dann würde Freund zwei aber auch schon nervös werden und alle ermahnen, dass sie bitte nicht so laut sein sollen. Das ist ein Besäufnis und keine Party!
Es ist dreiundzwanzig Uhr dreißig. Er ist eh schon spät dran und wird sich morgen an nicht mehr viel erinnern können. Er hat sechs große Dosen Bier getrunken und ein bisschen Likör, den die Mädchen mitgebracht haben. Er verabschiedet sich bis morgen, zieht seinen Zipper über und stopft die schulterlangen Haare unter die Kapuze. Er wird zu spät kommen aber das ist ihm jetzt egal.


So sah mein Wochenende vor ungefähr Sechs Jahren aus. Die Jahreszeit hab' ich nur gewählt, weil ich sie irgendwie besonders stark mit diesen Geschehnissen verbinde. Wenn ich jetzt Freitags nach Hause komme ist es immer schon dunkel und es gibt nicht mehr viel zu sehen, was einen an die „gute alte Zeit“ erinnert. Neulich bin ich bei genau so einem Wetter wie ich es beschrieben habe zufällig Auto gefahren und habe extra einen Umweg gemacht nur um am Haus von Freund zwei vorbeifahren zu können und noch Mal einen Blick auf die alt gewohnte Aussicht zu werfen. Das ist doch das Beste an dieser Jahreszeit. Das und das man Bier nicht in den Kühlschrank räumen brauch sondern es einfach vor die Tür stellen kann.

Geiler Song: Matula – komm rein Kollege Zukunft.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Mit 16 hatte man noch keine Sorgen!
Ist aber auch nich verkehrt sich mit 23 mal an die Tage zu erinnern... auch wenn's bei nem Glas Wein is'.